Kambodschas Regierung ordnet nach Massenpanik Trauertag an
23. November 2010Phnom Penh — Nach der Massenpanik mit mehr als 340 Toten in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh hat die Regierung des südostasiatischen Landes einen nationalen Trauertag angeordnet. Am Donnerstag solle der Opfer der Katastrophe gedacht werden, sagte Ministerpräsident Hun Sen in einer Fernsehansprache. “Ich möchte meinen Landsleuten und den Familien der Opfer mein Beileid ausdrücken.” Die US-Regierung zeigte sich bestürzt über die Massenpanik.
US-Außenministerin Hillary Clinton erklärte in Washington, sie spreche der Bevölkerung des südostasiatischen Landes im Namen von US-Präsident Barack Obama und der Menschen in den USA ihr “tiefstes Beileid” aus. “Unsere Gedanken und Gebete sind mit den Familien und Freunden der Opfer.” Sie sei aber zuversichtlich, dass Kambodscha diese “schwierige Zeit” durchstehen werde.
Die Panik ereignete sich am späten Montagabend, als die Menschenmassen in Phnom Penh auf einer Brücke über den Fluss Mekong zu einer Feier des traditionellen Wasserfestes gelangen wollten. Nach neuen Angaben der Regierung kamen mindestens 347 Menschen ums Leben, 410 weitere wurden verletzt. Zwei Drittel der Opfer seien Frauen gewesen. Die Ursache für die Massenpanik war zunächst unklar. Regierungssprecher Khieu Kanharith sagte der Nachrichtenagentur AFP, dass offenbar ein Gerücht die Runde gemacht habe, wonach die Brücke instabil sei. “So startete die Panik”, sagte er.
“Wir haben gerade die Brücke zu der Insel überquert, als jemand von der anderen Seite gedrückt hat”, sagte der Augenzeuge Kruon Hay zu AFP. “Es gab Schreie und Panik”, sagte der 23-Jährige. “Die Leute haben angefangen zu rennen und sind übereinander gefallen. Ich bin auch hingefallen und habe nur überlebt, weil mich jemand hochgezogen hat. Viele Menschen sind in den Fluss gesprungen.”
Dutzende Rettungswagen fuhren zu dem Unglücksort. Vor dem Calmette-Krankenhaus, in das zahlreiche Leichen gebracht wurden, versammelten sich zahlreiche Menschen auf der Suche nach Angehörigen, wie ein AFP-Reporter berichtete. Viele der Anwesenden weinten.
Das Wasserfest ist eines der größten Festivals des Landes. Dabei wird dem Fluss Mekong gedankt, der Kambodscha mit fruchtbaren Böden und Fisch versorgt. Wegen der Feierlichkeiten waren in den vergangenen Tagen Millionen Kambodschaner zu Konzerten, Feuerwerken und Bootsrennen in die Hauptstadt geströmt.